Therapeutisches Klettern - die neue Therapieform

Ob an großen Felswänden im Freien, an Kletterwänden in Indoorhallen oder an Boulderwänden - die Zahl der Kletterfans wächst jährlich. Und auch in der Therapie hat diese Sportart vor einigen Jahren Einzug gehalten und wird als Therapeutisches Klettern ergänzend zur Physiotherapie eingesetzt. Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist der Diplom Sportwissenschaftler und Gründer von blocProjects, Peter Lorenz. Seine Ideen und Projekte wollen wir euch heute vorstellen. 

blocProjects: Psychosoziales Klettern mit Kindern und Jugendlichen

Seine erste Aufgabe im Beruf ließ Peter Lorenz nicht mehr los: Gleich nach dem Studium der Sportwissenschaften bekam er den Auftrag, den Kletter-Raum einer Klinik umzugestalten. Von den sichtbaren Erfolgen der Klettertherapie war Peter Lorenz so begeistert, dass er mit viel Engagement nebenberuflich „blocProjects – psychosoziales Klettern mit Kindern und Jugendlichen“ ins Leben rief. Heute können dank seines Engagements psychisch auffällige Kinder und Jugendliche, an der größten therapeutischen Boulderwand in Thüringen, Schritt für Schritt zurück ins Leben klettern. 

Die eigenen Grenzen kennenlernen

Unter dem Label „blocProjects“ bietet Peter Lorenz verschiedene Kurse für psychisch erkrankte und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 9 und 17 Jahren an. Bei den meisten Teilnehmenden wurde ADHS diagnostiziert, viele der Kinder sind durch ihr impulsives, hyperaktives und unkonzentriertes Verhalten in sozialen Verbänden negativ aufgefallen oder wurden sogar ausgeschlossen. „Beim Klettern erfahren die Kinder ihre eigenen Grenzen und können diese überwinden. Es geht um Vertrauen, Kommunikation, Kooperation und Konzentration. Es geht darum, Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und diese auch abzugeben. Auch Aufgaben zu beenden oder Lösungsstrategien zu entwickeln sind wichtige Fortschritte“.

Konsequenzen unmittelbar spüren

Das Erklimmen der Wand erfordert höchste Konzentration und die Planung der eigenen Handlung. „Wenn ich mich nicht konzentriere, rutsche ich ab. Das heißt, jedes Kind spürt automatisch die Konsequenzen seines Handelns." erklärt Peter Lorenz. Neben ihren eigenen Grenzen lernen die Kinder und Jugendlichen auch die Hürden der anderen Patienten kennen. Dies hilft ihnen dabei, sich kontinuierlich weiter zu entwickeln. Es geht nicht darum, der Beste zu sein. Es geht um eigene Erfolge und Unterstützung von anderen. Um die Teamfähigkeit zu schulen hat jedes Kind einen Partner. Schritt für Schritt – vom Einfachen zum Komplexen – lernen die Kinder, gemeinsam etwas zu schaffen, sich gegenseitig zu helfen und dem Partner Sicherheit und Vertrauen zu geben.

Klare Regeln bieten einen wichtigen Rahmen

Damit alles reibungslos funktioniert, müssen sich die Teilnehmer an Spielregeln halten. Diese Regeln stellen die Kinder und Jugendlichen zu einem Großteil selbst auf. Von Anfang an wird den Kindern dadurch ein individueller Handlungsspielraum eingeräumt, der klar definiert ist. Schnell wird ihnen verständlich, welche Handlung welche Konsequenz hat. Auf einem Zettel an der Wand steht zum Beispiel: „Nicht dazwischenreden, nicht schlagen, treten oder spucken, Spaß haben und aufpassen“. Was auf den ersten Blick streng und einschränkend klingt, ist einer der Schlüssel zum Erfolg: „Kinder brauchen einen klaren Rahmen, in dem sie sich entwickeln können“. Diesen etabliert Peter Lorenz in Form von Punkte- oder Belohnungsplänen sowie in Zusammenarbeit mit den Eltern. „Die Eltern sind ein wichtiger Baustein zum Erfolg, deshalb nehmen sie an mindestens zwei Trainingseinheiten teil. Sie geben ihren Kindern zu Hause den Rahmen. Beim Klettern werden viele Dinge spürbar. Zum einen dieses ‚Ich bin für dich da‘, ‚Du kannst dich auf mich verlassen‘ – aber auch Probleme in der Kommunikation. Einige Eltern merken, dass sie teils zu kompliziert und unverständlich mit den Kindern kommunizieren oder ihnen zu viel abverlangen. Andere merken, wie wichtig auch körperlicher Kontakt im Sinne von körperlicher Sicherheit ist“.

Erfahrungen für den Alltag

Was spielerisch am eigenen Leib an der Kletterwand erfahren wird, wird später in Alltagssituationen übersetzt. Viele der jungen Patienten sind nach der Klettertherapie konzentrierter, teamfähiger und kommunikativer, wenn es darum geht, Unzulänglichkeiten anzusprechen. Diese positiven Entwicklungen konnte Peter Lorenz mittels Evaluationen bereits feststellen. Er hofft jetzt darauf, dass auch irgendwann die Krankenkassen den positiven Effekt der Klettertherapie erkennen und einen Teil der Kosten übernehmen. Denn bislang müssen die Eltern die Kurse selbst zahlen.

Unterstützung mit Klettergriffen

Wir finden Peter Lorenzs Engagement super und unterstützten dieses Projekt, indem wir einen Großteil der Klettergriffe zur Verfügung stellen. Haben wir euer Interesse geweckt? 
Weitere Informationen zum therapeutischen Klettern sowie zu Lehrerworkshops findet ihr unter: www.bloc-projects.de  

 

Das könnte euch auch interessieren:

 

Rating:

  • Sehr schlecht
  • Schlecht
  • Ok
  • Gut
  • Sehr gut

Artikel teilen:

Kommentar hinterlassen

Bitte alle mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.
Mit dem Abschicken akzeptieren Sie unsere AGB und unsere Datenschutzvereinbarungen.