Hast du dich schon einmal gefragt, warum manche Sportler:innen erfolgreicher sind als andere? Dabei wollen wir nicht Profisportler:innen mit Freizeitsportler:innen vergleichen. Wir meinen Leistungssportler:innen, die alle ähnlich viel trainieren und auch schon länger im Profisport agieren. Wir denken, es könnte an ihrem Mentaltraining liegen – an ihrem Neurozentrierten Training. Was das genau ist und wie auch du es bei deinen Sportler:innen im Leistungs-, Gesundheits- und Breitensport einsetzen kannst, liest du in diesem Beitrag.
Das erwartet dich hier:
- Was ist Neurozentriertes Training?
- Erfolgreich ist, wer den kühlen Kopf bewahrt
- Sensorischer Input – alle Sinne
- Bewegungstest - praktische Übungen
Was ist Neurozentriertes Training?
Beim Neurozentrierten Training werden neurologische Zusammenhänge als Trainingsform entwickelt. Die Neuroathletik behauptet, dass Augen-Liegestütz gegen Rückenschmerzen helfen können. Mit anderen Worten, dass gezielte Augenbewegungen Schmerzen im Körper lindern können. Dazu müssen wir dir ein wenig Theorie antun:
Unser Nervensystem
Unser Nervensystem besteht aus dem zentralen und dem periphären Nervensystem. Das zentrale NS beinhaltet unser Gehirn und das Rückenmark. Das periphäre NS besteht aus dem vegetativen und dem somatischen Nervensystem. Das vegetative Nervensystem läuft automatisch ab und setzt sich zusammen aus:
++ Sympathikus für Leistung
++ Parasympathikus für Ruhe und Entspannung
++ Enterisches Nervensystem (Magen-Darm-Trakt)
Das somatische Nervensystem beeinflusst die willentlichen Bewegungen wie beim Gehen, Laufen und Sitzen sowie unsere Reflexe z. B. beim Fallen.
Erfolgreich ist, wer einen kühlen Kopf bewahrt
Also, warum sind Leistungssportler:innen so gut? Sich wiederholende Muster sprechen für Methode. Leistungssportler:innen trainieren also nicht nur ihre körperliche Ausdauer, Kraft und Technik, sondern obendrein auch Ausdauer, Kraft und Technik, die aus dem Gehirn kommt. Sie behalten einen kühlen Kopf, schauen sich die Lage genau an, bewerten sie blitzschnell und konzentrieren sich bewusst auf die nächsten Schritte. Dazu trainieren sie das vegetative Nervensystem – genauer gesagt: Sympathikus und Parasympathikus können gleichzeitig arbeiten – wenn man es trainiert. Denn Angst bewirkt Stress und dieser hemmt unsere Hirnleistung und damit die Bewegungsqualität.
Sensorischer Input – alle Sinne
Hast du dich einmal gefragt, warum wir wissen, dass wir sitzen? Spannende Frage! Die Antwort: Rezeptoren am Gesäß und an den gebeugten Beinen bekommen einen Druck zu spüren und signalisieren so dem Kopf, dass etwas wie ein Stuhl oder eine Bank unter deinem Körper platziert sind. Wir nehmen das bewusst wahr und assoziieren dieses mit einem Konzept: Ich sitze!
Hier ist das propriozeptive System, also unsere Fähigkeit, die Lage des Körpers im Raum wahrzunehmen, aktiv.
Das Gehirn nimmt alle Reize auf und gleicht sie mit den vorangegangenen Erfahrungen ab. Am stärksten ist der Input des Sehens, dann des Gleichgewichts und schließlich des propriozeptiven Systems. Wenn das Gehirn das Gefühl hat, dass es sicher ist diese Handlung auszuführen, werden die geplanten Handlungen auch wirklich umgesetzt. Wenn das Gehirn sich nicht sicher ist, wappnet sich der Körper mit diversen Schutzmaßnahmen: Reflexe, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Aktivierung des sympathischen Nervensystems – du erinnerst dich.
Ein Beispiel: Du joggst durch den Park und knickst um. Der stechende Schmerz drängt dich zum Bewegungsstopp, damit nicht noch mehr Schmerzen dazukommen.
Neuroathletik – Der Bewegungstest
Unser Körper hat eine klare Vorstellung von allen Bewegungen, die wir machen. Wenn das Bild klar ist, kommunizieren Kopf und Körper eindeutig. Ist das Bild leicht verzerrt oder verschwommen, beispielsweise durch Verletzung, Erlebnisse oder Erfahrung, kommunizieren die beiden nicht allzu gut. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass der Körper nicht weiß, was der Kopf will und keine Ahnung hat, was er machen soll – Koordinationsschwierigkeiten.
Wenn du jetzt spüren willst, wie Kopf und Körper unmittelbar zusammenarbeiten, dann mach folgenden Beweglichkeitstest:
Stelle dich hin, am besten mit viel Platz um dich herum. Such auf dem Boden einen fixen Punkt, zu dem du immer wieder zurückkehren kannst. Das ist wichtig, damit du so den Vorher-Nachher-Effekt besser sehen kannst.
- Für die Schulter: Streck den rechten Arm locker nach oben. 1-mal über die Seite und 1-mal nach vorne. Danach machst du das Gleiche mit dem linken Arm.
- Für die Brustwirbelsäule: Streck die Arme vor dem Körper aus und leg die Handflächen aneinander. Die Zeigefinger zeigen dabei spitz nach vorne. Die anderen Finger verhaken sich ineinander. Nun drehst du dich mit gestreckten Armen vor dem Körper 1-mal nach rechts und dann nach links. Die Hüfte kannst du dabei mitnehmen. Die Füße bleiben fest am Boden stehen. Spüre in dich hinein: Wie fühlt sich diese Bewegung an. Merke dir, wie weit du gekommen bist.
Nun gehen wir in die neurozentrierte Übung und schauen, was sich verändert hat: Dabei sind wir mit unserer Aufmerksamkeit beim Grundgelenk der Finger. Kreise jeden deiner 8 Finger größtmöglich 4 bis 5-mal. Wenn die anderen Finger mitdrehen, fixiere sie mit der anderen Hand. Es soll sich immer nur 1 Finger bewegen. Wenn du alle Finger 1-mal hast kreisen lassen, mach den Beweglichkeitstest noch 1-mal.
Hat sich etwas verändert? Wenn ja, was hat sich verändert?
Die meisten Menschen reagieren mit einer positiven Veränderung des Körpers auf die Fingergymnastik. In der Regel kann man sich ein Stückchen weiter drehen als vor der neurozentrierten Übung. Es kann aber auch durchaus dazu kommen, dass das NS nicht anspringt und entsprechend nichts passiert, oder dass das NS negativ beeinflusst worden ist und sich die Bewegung verschlechtert hat. Dann gilt es einen intensiven Blick darauf zu werfen, warum das so ist.
Du möchtest noch mehr zu dem Thema erfahren? Neurozentriertes Training ist auch Gegenstand unserer letzten Sport-Thieme Digital Akademie gewesen. Hier kannst du dir den ganzen Vortrag von Athletik- und Rehabilitationstrainer, Physiotherapeut und Ex-Profi-Sportler Chris Löffler ansehen: